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1.)     Einleitung
Samuel Hahnemann ( 1755 - 1843),
Begründer der Homöopathie

Christian Friedrich Samuel Hahnemann, der Begründer und Entdecker der Homöopathie, wurde am 12. April 1755 in Meissen als Sohn eines Porzellanmalers geboren. Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren zu jener Zeit alles andere als rosig. Wegen seiner hohen Begabung fand sich jedoch ein Gönner, der ihm den Besuch der höheren Schule ermöglichte. Sein Medizinstudium in Leipzig musste er sich mit Fremdsprachenunterricht und Übersetzungen selber verdienen. Er war einer der angesehensten Übersetzer seiner Zeit. Im Alter von 24 Jahren beherrschte er sieben Sprachen in Wort und Schrift. 1779 legte er sein Doktorexamen in Erlangen ab.

Kurz nach der Aufnahme seiner Praxis verlor er seine Illusionen über die Medizin. Hahnemann protestierte laut gegen die schädlichen und sinnlosen Methoden, die damals üblich waren. Exzessive Aderlasse, brutale Brech- und Abführkuren endeten häufig tödlich. Starke Medikamente aus Blei, Quecksilber oder Arsen vergifteten die Patienten.

Die Kollegen Hahnemanns bezichtigten ihn bald der Ketzerei. Enttäuscht gab Hahnemann seine Praxis auf. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit Übersetzen medizinischer Werke.

Bei der Übersetzung eines Arzneimittelbuches von Dr. Cullen ( 1790) störte er sich an dessen Darstellung, dass die Wirkung der Chinarinde bei Malaria auf die magenstärkende Eigenschaft zurückzuführen sei. Diese Behauptung schien ihm unwahrscheinlich. Er entschloss sich zu einem Selbstversuch und nahm Chinarinde selbst ein. Er wollte deren Wirkung auf den gesunden Organismus prüfen. Er wiederholte die Einnahme dieser Heilpflanze, bis sein Körper mit Fieber, Schüttelfrost und anderen malariaähnlichen Symptomen reagierte.

Daraus schloss Hahnemann, dass Malaria durch Chinarinde geheilt wird, und zwar nicht wegen seiner magenstärkenden Wirkung, sondern wegen der Tatsache, dass das Medikament bei einem Gesunden die Symptome der Malaria hervorruft.

Nach dieser gewaltigen Entdeckung führte Hahnemann 6 Jahre lang an sich selbst und an Familienmitgliedern Experimente mit verschiedenen Substanzen durch. Hahnemann wandte sich nun wieder vermehrt der Medizin zu. Er stellte eine ernsthafte Bedrohung für die etablierte Medizin dar. Er scheute sich nicht, allgemein akzeptierte Wahrheiten in Frage zu stellen und suchte nach eigenen Erklärungen.

Hahnemann prägte den Begriff Homöopathie. Dieser stammt vom griechischen homoios (ähnlich) und pathos (Leiden). Er empfahl die Verwendung von jeweils nur einem Arzneimittel, welches er zudem noch in kleinen Dosen verabreichte. Aus diesem Grund entstanden auf Seiten der Apothekerschaft seine grössten Feinde, da diese um ihre Geschäfte fürchteten. Doch trotz anhaltender Verfolgung entwickelte sich die Homöopathie weiter.

1810 entstand sein Hauptwerk, das "Organon der Heilkunst". Der § 1 lautet: "Der Arzt hat kein höheres Ziel, als Kranke gesund zu machen, was man heilen nennt." 1828 - 1830 erschien das mehrere Bände umfassende Werk "Die chronischen Krankheiten".

1835 heiratete der verwitwete Hahnemann die Französin Mélanie d'Hervilly. Mit ihr zog er nach Paris. Dieser letzte Lebensabschnitt Hahnemanns war sehr bedeutungsvoll für die Verbreitung der Homöopathie. 8 Jahre lang betrieb Hahnemann mit seiner Frau Mélanie eine erfolgreiche Praxis in Paris. Er leitete sie erfolgreich bis wenige Wochen vor seinem Tod. Am 2. Juli 1843 starb Hannemann im Alter von 88 Jahren. Er liegt auf dem Prominentenfriedhof "Ire Lachaise" in Paris begraben. Sein Grab ist noch heute zugänglich.

 

2.)     Krankheit und Heilung, eine Frage der Lebenskraft

Bevor wir uns mit der Heilung beschäftigen, müssen wir uns damit auseinandersetzen, was Krankheit überhaupt ist.

  • Warum erkrankt der eine an Grippe, während der      andere gesund bleibt, obwohl beide mit dem gleichen Grippepatienten in      Kontakt kamen?
  • Warum reagiert ein Mensch nach dem Genuss eines      Nahrungsmittels mit heftigem Hautausschlag, während der andere es      ungestört essen kann?
  • Warum kann der eine gute Schüler völlig ruhig eine      Prüfung ablegen, während der andere ebenfalls gute Schüler in der Prüfung      vor Angst versagt?
  • Warum sind manche Menschen für eine Sache      empfänglich und andere nicht?

Mit diesen Fragen setzte sich Hahnemann als unermüdlicher Forscher und kritischer Arzt auseinander. Nach intensiver Beobachtung kam er zum Schluss, dass eine dem Organismus übergeordnete Kraft alle Lebensfunktionen steuert. Er nannte diese Kraft Lebenskraft oder Dynamis.

Die Aufgabe der Lebenskraft ist, die Harmonie und Ordnung im Organismus zu erhalten. Jeder Baustein des Organismus, jedes Organ und jede Zelle wird von der Lebenskraft beeinflusst und überwacht. Die Lebenskraft schützt uns vor Krankheit und verleiht uns Immunität gegenüber krankmachenden Faktoren.

Sobald die Lebenskraft geschwächt oder ins Ungleichgewicht gebracht wird, z.B. durch Überbelastung, Stress, psychische Probleme etc., erkrankt der Mensch. Der Organismus ist vor krankmachenden Einflüssen, z.B. Bakterien, Viren, Pilzen, Pollen, Stress etc., nicht mehr geschützt.

Nur die gestörte Lebenskraft verursacht Krankheiten. Gewebs- oder Organveränderungen, z.B. Entzündungen, Geschwüre, Gelenkdeformationen, Zysten etc., sind nicht die Krankheit selbst, sondern nur das Resultat des Krankheitsgeschehens. Sie weisen lediglich darauf hin, dass im Inneren des Menschen etwas nicht in Ordnung ist. Der Patient ist nicht krank, weil er einen Tumor hat, sondern der Tumor ist da, weil der Patient krank ist.

Ebenso sind Viren oder Bakterien niemals die eigentliche Krankheitsursache. Es ist die geschwächte Lebenskraft, die das Wachstum fremder Keime, wie Bakterien, Viren oder Pilze, begünstigt. D.h., zuerst kommt die Verstimmung der Lebenskraft, erst dann breiten sich die Erreger aus.

Durch Wegschneiden oder medikamentöse Einwirkung, z.B. Hämorrhoiden veröden oder wegschneiden oder Ekzeme mit stark wirkenden Salben behandeln, also die Symptome der Krankheit entfernen, ist die Krankheit nicht besiegt.

Die Krankheit sitzt ja im Zentrum, man hat nur das Resultat des Krankheitsgeschehens beseitigt. Die Fehlfunktion der Lebenskraft ist damit nicht aufgehoben. Die Krankheit kann sich weiter ausbreiten und an anderen Teilen des Organismus neue Schäden anrichten.

Echte Heilung ist folglich nur durch die Harmonisierung der Lebenskraft möglich. Homöopathische Arzneimittel beeinflussen die Lebenskraft, regen die Selbstheilungskräfte des Kranken an, bringen ihn wieder ins Gleichgewicht und stärken somit die Lebenskraft. Der Mensch wird unterstützt, sich selbst zu heilen.

 

3.)     Akute und chronische Krankheiten

In der homöopathischen Behandlung unterscheidet man zwischen akuten und chronischen Erkrankungen. Bei akuten Erkrankungen hat die Lebenskraft des Erkrankten in der Regel die Möglichkeit, die akute Situation aus eigener Kraft zu überwinden. Ist sie überstanden, stellt sich die Gesundheit meistens innerhalb kurzer Zeit von selbst wieder ein.

Mit dem richtig gewählten homöopathischen Mittel können akute Krankheiten wie Angstzustände, Augenentzündungen, Insektenstiche, Durchfall, Erbrechen, Husten, Erkältung, Fieber, Hals- und Ohrenschmerzen, Prüfungsangst, Reisekrankheit, Erschöpfungszustände, Sonnenbrand, Zahnen der Kinder etc. innerhalb Kürze geheilt werden.

Auch bei Verletzungen wie Bänderzerrungen, Blutergüssen, Verstauchungen, Quetschungen etc. werden homöopathische Mittel erfolgreich angewendet. Nicht nur oberflächliche, sondern auch schwere Verletzungen, die medizinisch behandelt werden müssen, können zur Unterstützung des Heilungsprozesses mit Akutmitteln behandelt werden.

Ganz anders verhält sich die Lebenskraft bei chronischen Erkrankungen. Typisch sind hier wiederkehrende, erfolglose Anstrengungen des Organismus, die Gesundheit wieder herzustellen. In den seltensten Fällen heilen sie von alleine.

Die eigentliche Stärke der Homöopathie ist die Behandlung von chronischen Krankheiten der Psyche sowie des Körpers, z.B. Kopfschmerzen, Schwindel, Muskel- und Gelenkschmerzen, Allergien, Atemwegserkrankungen, Mittelohrentzündungen, Tubenkatarrh, Rückenbeschwerden, Herz-Kreislaufprobleme, Erkältungen, Kiefer- und Stirnhöhlenentzündungen, Hautkrankheiten, Magen-Darmbeschwerden, Heuschnupfen, Nieren-Blasenbeschwerden etc. Auch Entwicklungs- und Verhaltensstörungen bei Kindern lassen sich sehr gut behandeln.

Mittels einer Konstitutionstherapie wird ein homöopathisches Medikament, das Konstitutionsmittel, welches dem Verhalten und der Persönlichkeit sowie der Gesamtheit der Symptome des Patienten am ähnlichsten ist, verabreicht.

Bei der akuten wie auch bei der chronischen Erkrankung ist die Lebenskraft verstimmt. Die Selbstheilungskraft sucht entlastende Wege über den Körper und die Ausscheidungsorgane.

Werden nun diese Ausscheidungs- und Reinigungsvorgänge wie Hautausschläge, Durchfälle, Erbrechen, Schweissausbrüche, Fieber, Nasenausfluss oder Auswurf mit Medikamenten behandelt und somit unterdrückt, kann sich aus einer akuten Erkrankung eine chronische entwickeln, da die Lebenskraft daran gehindert wurde, die Krankheit an die Oberfläche des Körpers zu bringen. Der Organismus kann somit nicht gesunden. Die Krankheit "wuchert" nun in tieferen Schichten. Waren es früher Schweissausbrüche oder Erkältungen, leidet der Patient später z.B. an einem bronchialen Asthma, Gelenkbeschwerden, Kreislaufstörungen, Schwindel, psychischer Verstimmtheit etc.

 

4.)    Die miasmatische Belastung

Was ist darunter zu verstehen? Zu Beginn ein Beispiel: Ihr Kind hat jeden Winter über Wochen starken Husten. Es schlägt ihm nicht nur auf die Bronchien, der Infekt verlagert sich auch auf die Ohren. Tubenkatarrh oder Mittelohrentzündung werden diagnostiziert und natürlich mit den entsprechenden Medikamenten behandelt. Sie haben von den ständigen Antibiotikagaben genug und wechseln zu einem homöopathisch arbeitenden Arzt.

Im darauffolgenden Herbst wird nun der obligate wiederkehrende Husten, bevor er in einer Bronchitis endet, mit einem entsprechenden homöopathischen Mittel behandelt. Einige Tage später ist der Spuk vorbei, und das Kind erfreut sich bester Gesundheit. Doch schon bahnt sich die nächste Erkältung an. Erneut zum Arzt, der die akute Erkrankung wieder homöopathisch therapiert.

Der kleine Patient wurde so von tiefergreifenden Krankheiten verschont, seine immer wiederkehrenden Ohrschmerzen konnten mit entsprechenden homöopathischen Arzneimitteln erfolgreich behandelt werden, und er wurde von weiteren Antibiotikagaben verschont. Doch es stellt sich die Frage, warum die Erkältungen immer wieder auftreten und sich erneut zu einer Ohrenentzündung entwickeln. Der Grund liegt darin, dass der Patient noch nicht vollständig geheilt ist, da seine Anfälligkeit weiter besteht.

Dieses Beispiel soll Ihnen zeigen, dass es sich hier um eine tiefere Störung handelt, d.h., der Organismus ist geschwächt, und die Selbstheilungskräfte reichen nicht aus, den Patienten gesund zu erhalten. Auch die richtig gewählten homöopathischen Mittel, die auf die Akuterkrankung abgestimmt waren, haben nicht zu einer vollständigen Heilung geführt. Die Grundschwäche, die Erkältungsanfälligkeit besteht weiterhin.

Weshalb erkrankt ein Mensch nach einem richtig gewählten homöopathischen Mittel immer wieder an derselben Krankheit? Warum hält der Gesundheitszustand nur kurze Zeit an?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich Hahnemann 12 Jahre lang und entdeckte, dass eine tiefe, vererbte oder anerworbene Störung (z.B. durch unterdrückende Behandlungen) die Ursache dieser Schwäche ist. Er nannte diese dynamische Störung "Miasma". Dieses Miasma stellt eine Schwäche des Menschen dar, welche die Tür für Krankheiten öffnet.

Mit dem Beispiel im vorherigen Kapitel sollte verdeutlicht werden, dass die homöopathischen Akutmittel wohl die Symptome beseitigen, aber die Krankheit nicht an ihrer Wurzel erfassen. Solange man nur an der Oberfläche behandelt, also auf die gegenwärtigen körperlichen Symptome eingeht, kann man das viel tiefer liegende Miasma nicht erreichen. Es ist, wie wenn man an einem Obstbaum die verdorrten Äste abschneidet, die am Baum verfaulten Früchte entfernt und jedes Jahr von neuem erstaunt ist, dass der Baum immer weniger gesunde Früchte trägt und langsam abstirbt.

Was ist die Ursache, dass der Baum erkrankt? Wir sehen verfaulte Wurzeln, eine veränderte Bodenqualität und dass ihm geeignete Nahrung fehlt. Er ist von der Wurzel her krank.

So ist es auch beim Menschen. Die Ursache liegt in der Tiefe, in der Wurzel und nicht in der Peripherie.

Hahnemann entdeckte und entwickelte tiefer wirkende homöopathische Mittel, die die Fähigkeit haben, in die miasmatische Belastung einzugreifen. So hat nun der nach miasmatischen Gesichtspunkten arbeitende Homöopath die Möglichkeit, auch ganz tief verwurzelte Schwächen (z.B. Vererbungen) erfolgreich zu therapieren.

In einer Konstitutionstherapie unter Berücksichtigung der miasmatischen Belastung wird der Patient in seiner Gesamtheit betrachtet. Dabei ist das Erfassen der eigenen Krankheitsgeschichte und speziell derjenigen der Vorfahren von grösster Bedeutung. (siehe Kapitel Fallaufnahme).

Hahnemann ordnete alle Krankheiten, akute wie auch chronische, und die Charaktereigenschaften des Menschen in miasmatische Gruppen. Er nannte die Grundform aller Erkrankungen die "Psora". Daraus entwickelte sich die Sykose und das syphilitische Miasma. In späteren Jahren kam noch das tuberkulare Miasma hinzu.

Das Thema der Miasmen ist sehr komplex und sollte in diesem Kapitel nur kurz angesprochen werden. Zur Vertiefung führen wir am Schluss des Buches weiterführende Literatur an.

5.)    Einzelmittel - Komplexmittel

Das richtige homöopathische Mittel zu finden, ist die eigentliche Kunst des Homöopathen. Dazu braucht es viel Wissen, Zeit, Geduld und Erfahrung. Homöopathie kann man nicht nebenbei anwenden, und ein rein nach klassischen Gesichtspunkten arbeitender Homöopath wird keine anderen Therapieformen anwenden. In den letzten Jahren wurde der Begriff "Homöopathie" leider allzu oft für verschiedene Therapieformen missbräuchlich verwendet. Früher hiess es: "Ich gehe zum Heilpraktiker." Heute heisst es eben: "Ich gehe zum Homöopathen."

Wenn der Behandler einem ins Auge schaut, also Irisdiagnostik betreibt, und daraus unsere Beschwerden und Veranlagung ersehen will, phytotherapeutische (pflanzliche), spagyrische Essenzen oder Bachblüten verschreibt, dann hat das nichts mit klassischer Homöopathie zu tun, sondern es handelt sich um andere Heilverfahren.

Einige Therapeuten wollen den anstrengenden Weg, das richtige Mittel zu finden, abkürzen. Seit jeher hat man deshalb versucht, die Homöopathie zu vereinfachen. Auch deshalb, weil man sie dann besser vermarkten kann. Seit einigen Jahren ist es Mode, dass mit elektronischen Geräten, z.B. Bioresonanz, Pendel und anderen Hilfsmitteln wie Muskelfunktionstests, versucht wird, das richtige Mittel auszutesten. Der Griff hinter den Ladentisch und innerhalb von zwei Minuten ein Mittel abgeben, kann nicht als seriös bezeichnet werden, da eine intensive Befragung unerlässlich ist. In diesem Fall werden Mittel nach Krankheitsnamen abgegeben, und die Gesetze der klassischen Homöopathie (Individualiät, Einzelgabe etc.) werden dabei ausser acht gelassen. So auch bei den Komplexmitteln.

Die Problematik der Komplexmittel ist jedem klassischen Homöopathen ein Dorn im Auge. Hahnemann, Kent, Allen, Hering und wie alle grossen Homöopathen heissen, würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüssten, was mit ihrem Erbe geschehen ist!

Was versteht man unter homöopathischen Komplexmitteln? Wie der Name bereits sagt, handelt es sich um Mischungen verschiedener homöopathischer Substanzen. Es werden zwischen 2 und 30 (!) Mittel in unterschiedlichen Potenzen gemischt. So wird z.B. ein Fiebermittel aus verschiedenen, besonders häufig bei Erkältungen, Entzündungen und Fieber gebrauchten Substanzen zusammengestellt. Man hofft dann, dass eines dieser Mittel schon das richtige sein wird.

Komplexmittel wirken in der Praxis wenig überzeugend. Wie soll der Organismus wissen, auf welche Information er nun reagieren soll? Betrachtet man die Wirkungsweise dieser einzelnen Substanzen in einem Komplexmittel, so sieht man oft, dass sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung aufheben und auch unterdrückend wirken.

In der Praxis zeigt sich, dass die Behandlung erschwert wird, wenn über lange Zeit Komplexmittel eingenommen wurden. Der Körper hat seine Reaktionsfähigkeit durch eine solche Informationsflut, wie sie die Komplexmittel darstellen, eingebüsst.

Ein weiteres Argument gegen Komplexmittel ist, dass mit diesen Mischungen keine Arzneimittelprüfung am Gesunden stattgefunden hat. Wie soll man nun wissen, wie dieses Gemisch auf den Menschen wirkt? Man weiss aus der Chemie, dass eine Mischung von zwei und mehreren Substanzen eine ganz andere Wirkung haben kann als jeder einzelne Ausgangsstoff für sich alleine.

Wir wissen nicht, wie die Wirkung von mehreren Medikamenten oder die Wechselwirkung zwischen ihnen ist. Wir wissen aber um die Wirkung eines einzelnen Arzneimittels, da dieses am gesunden Menschen geprüft wurde.

Es kann nur ein einziges passendes homöopathisches Mittel die Heilung in Gang bringen. Somit ist auch die anthroposophische Medizin nach Rudolf Steiner wie auch die Biochemie nach Schüssler keine klassische Homöopathie, da bei beiden Therapieformen in der Regel gleichzeitig verschiedene homöopathische Mittel zur Anwendung gelangen.

 

6.)    Die Arzneimittelprüfung

Die sogenannte Arzneimittelprüfung ist ein wichtiger Grundstein der Homöopathie. Sie ist sehr aufwendig und erfolgt noch heute weitgehend nach den Vorschriften Hahnemanns. Es wird geprüft, welche Symptome eine Arznei erzeugt und damit auch heilen kann.

Eine Gruppe gesunder Menschen beiderlei Geschlechts nimmt in regelmässigen Abständen das zu prüfende Mittel ein. Selbstverständlich wissen diese Personen nicht, um welche Substanz es sich handelt. Jede darauffolgende Befindensveränderung wird aufgeschrieben und protokolliert.

Alle Abweichungen des körperlichen und seelischen Zustandes sind wichtig. Die Empfindungen sind sehr genau zu notieren. z.B.: "Gleichgültigkeit gegenüber der Familie; träumt von lustigen Sachen; ins linke Bein ausstrahlende, ziehende Rückenschmerzen, die sich durch Kälte und Bewegung bessern; stechende Schmerzen im linken Knie wie mit Nadeln...."

Tierversuche sind für die Arzneimittelprüfung unbrauchbar, weil Tiere Empfindungen und Gemütszustände nicht äussern können. Ausserdem reagieren sie nicht in der gleichen Weise auf Medikamente wie Menschen. Es sind also keine tierquälerischen Experimente nötig, um Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der Medikamente ziehen zu können, sondern der gesunde Mensch stellt sich, wie oben beschrieben, zur Arzneimittelprüfung zur Verfügung.

Am Schluss der Prüfung werden die Beobachtungen gesammelt und ausgewertet. Die Ergebnisse werden zum sogenannten Arzneimittelbild zusammengestellt. Das Arzneimittelbild wird ergänzt durch klinische Beobachtungen und Erfahrungen mit den betreffenden Substanzen aus der Anwendung beim Kranken.

Die Ergebnisse all dieser Forschung werden in der "Materia Medica Homöopathica" zusammengefasst. Sie ist die umfassendste Sammlung von Arzneimitteln, die wir kennen.

 

7.)    Dosierung homöopathischer Mittel

Oft ist der Patient erstaunt, wenn er nur ein paar Globuli erhält. Er fragt nach, ob denn das genüge, er habe ja erst in drei Monaten wieder einen Termin.

In der klassischen Homöopathie wird die Dosierung auf ein Minimum beschränkt. Um die Lebenskraft zu beeinflussen, genügt ein einzelner Impuls. Wiederholt man das Mittel zu früh und zu oft, wird der harmonische Heilungsablauf gestört. Man muss dem Mittel Zeit zu einer Reaktion geben. Zu häufige Wiederholung bringt die Lebenskraft in Unruhe und in weitere Disharmonie.

Betrachten wir zur Verdeutlichung eine Pendeluhr. Die Uhr ist stehengeblieben. Wir ziehen die Gewichtssteine auf, versetzen dem Pendel einen Stoss, und es schwingt rhythmisch hin und her. Berührt man nun nach kurzer Zeit das Pendel erneut, so gerät es in Unruhe und nach kurzer Zeit bleibt die Uhr stehen. Solange etwas in Bewegung ist, braucht es keine zusätzliche Krafteinwirkung, sonst gerät das Ganze in falsche Bahnen.

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass ein homöopathisches Mittel auf keinen Fall schaden könne. Nimmt jemand über längere Zeit dasselbe homöopathische Mittel ein, besteht die Gefahr der ungewollten Arzneimittelprüfung, d.h., der Patient produziert Symptome des Medikamentes, das er zu Heilzwecken einnimmt.

Neulich kam ein junger Mann mit einer vom Arzt diagnostizierten Lungenentzündung in die Praxis. Zuvor hatte er von einem sogenannten "Homöopathen" über Wochen die homöopathischen Mittel Tuberkulinum und Luesinum im Wechsel in Hochpotenzen erhalten und leider auch eingenommen.

Der Patient wurde aufgeklärt, dass er wohl die Symptome einer Lungenentzündung habe, diese jedoch aufgrund des homöopathischen Arzneimittelmissbrauches entstanden sei und er mitten in einer homöopathischen Arzneimittelprüfung stehe.

Eine Gabe Sulfur C 200 (ein häufig angewendetes Mittel bei Arzneimittelmissbrauch), und zwei Tage später waren die Beschwerden vorbei. Beizufügen ist noch, dass er zuvor noch nie Lungenprobleme, geschweige denn eine Lungenentzündung gehabt hatte.

Je höher die Potenz, desto tiefgreifender und anhaltender die Wirkung und um so weniger muss die Arzneigabe wiederholt werden. Die Hochpotenzen haben eine Depotwirkung. Sie wirken über Monate. Meistens werden sie als Streukügelchen (Globuli) verabreicht. Bei akuter Erkrankung ist es manchmal sinnvoll, diese in Wasser aufzulösen und schluckweise zu trinken. Ihr Homöopath wird Sie darüber informieren.

Die LM-Potenzen werden meistens in Tropfenform verabreicht. Sie werden in der Regel häufiger eingenommen als die C- und D-Potenzen.

Bei sehr tiefen Krankheitsstörungen mit einer stark geschwächten Lebenskraft werden tiefere Potenzen verabreicht, da eine Mittelreaktion sonst den Organismus überfordern könnte.

 

8.)    Homöopathische Verschlimmerung
"Heilreaktion"

Während einer homöopathischen Konstitutionsbehandlung kommt es nicht selten vor, dass sich v.a. bei chronischen Fällen die Beschwerden vorübergehend verstärken. Alte Symptome, die man seit Jahren nicht mehr gespürt hat, treten für kurze Zeit erneut auf. Das bedeutet, dass diese Symptome nicht ausgeheilt waren. Manchmal laufen die Reaktionen unbemerkt ab, d.h. der Patient verspürt keine Verschlimmerung, was aber nicht heisst, dass das homöopathische Mittel nicht gewirkt hat.

Diese Heilreaktionen sind positiv zu bewerten und zeigen, dass die Lebenskraft gut reagiert hat, die Schwachpunkte im Körper erkannt wurden und der Heilungsprozess in Gang gesetzt worden ist. Nach der Mitteleinnahme kann eine Reaktion innerhalb von zwei Minuten oder erst nach Wochen, manchmal auch nach zwei bis drei Monaten auftreten. Je nach verabreichtem Mittel, Potenz und Konstitution des Patienten ist der zeitliche Ablauf unterschiedlich.

Die Art der Heilreaktion ist verschieden. So können Personen, die das gleiche Mittel in der gleichen Potenz bekommen haben, je nach Veranlagung und Konstitution individuell reagieren. Häufig reagiert der Körper mit vermehrter Ausscheidung wie Schleim, Durchfall, Nasenbluten, Schwitzen, vaginalem Ausfluss etc. Jede Reaktion wirkt wie ein Ventil und stellt eine Art Selbstreinigung dar. Der Organismus kann sich entlasten, und der Patient fühlt sich anschliessend leichter.

Eine Heilreaktion ist nie so schlimm wie die Krankheit selbst. Wenn z.B. eine Mittelohrentzündung durch ein homöopathisches Mittel wieder auftritt, ist der Organismus durch das Mittel bereits gestärkt. Dadurch verläuft die Krankheit nicht so heftig und heilt schneller.

Auch im psychischen Bereich sind Reaktionen zu erwarten. Introvertierte und blockierte Menschen werden vorübergehend emotioneller. Waren sie früher diplomatisch und äusserlich ausgeglichen, verlieren sie nun möglicherweise schneller die Geduld, sind gereizter und auch mal explosiv. Verdrängtes kommt hoch, wird nochmals gelebt, bearbeitet und verarbeitet. Der Patient beginnt sich zu wehren.

Mit der an ihn gerichteten Erwartungshaltung kann er besser umgehen und ist weniger gestresst. Wollte er es früher immer allen recht machen und konnte nie nein sagen, wehrt er sich heute für seine Anliegen. Der Patient nimmt seine Gefühle besser wahr, fühlt sich leichter, ausgeglichener und freier.

Gewisse Veränderungen sind unter Umständen für den Patienten schwer zu verstehen. Es braucht etwas Geduld, diese Reaktionen durchzustehen, aber nachher wird sich der Patient leichter und gestärkter fühlen. Ist der Heilungsablauf in Gang gesetzt, so darf dieser nicht gestört werden. Es ist wichtig, etwaige Reaktionen nicht mit Medikamenten zu unterdrücken. Auch mit zusätzlichen homöopatischen Mitteln kann dieser Vorgang gestört werden. Allgemein sollten während der Behandlung keine homöopathischen Medikamente ohne Wissen Ihres Homöopathen eingenommen werden. Viele homöopathische Mittel sind untereinander nicht verträglich und können sich gegenseitig in der Wirkung aufheben.

Patienten mit schweren organischen Erkrankungen, die seit längerer Zeit Medikamente einnehmen müssen (Asthma, Herzerkrankungen, Diabetes etc.), nehmen selbstverständlich ihre gewohnten Medikamente weiter ein. Ein abruptes Absetzen wäre zu gefährlich. Bei Fragen wenden Sie sich an Ihren Homöopathen.

Zum Schluss einige Beispiele für mögliche Reaktionen im Verlauf des Heilungsprozesses, die jedoch bei jedem Patienten unterschiedlich in Art sowohl Dauer sein können:

o   Ärgerlich, gereizt, weinerlich

o   Intensivere Träume

o   Schwitzen

o   Müdigkeit

o   Verstärkte Menstruation, veränderter Zyklus

o   Durchfall, Erbrechen

o   Verstärkter Hautausschlag, Juckreiz

o   Kopf-, Rücken- oder Gliederschmerzen

o   Alte Symptome treten erneut auf 


Buchempfehlungen:

Rajan Sankaran "Das geistige Prinzip der Homöopathie"

Rima Handley "Eine homöopathische Liebesgeschichte"

Sun Bear & Wabun "Das Medizinrad. Eine Astrologie der Erde"

Paul Uccusic "Der Schamane in uns"

Eckhart Tolle "Jetzt, die Kraft der Gegenwart"

Eckhart Tolle "Eine neue Erde"


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